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Arbeitszeitgesetz in der Gastronomie: Sonderregeln, Pausen & Nachtarbeit

Redaktion GetMeGastro15. März 20268 Min. Lesezeit

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) steckt den Rahmen für alle Arbeitnehmer in Deutschland ab — aber die Gastronomie nimmt eine Sonderstellung ein. Kaum eine andere Branche nutzt so viele der gesetzlichen Ausnahmeregelungen: verkürzte Ruhezeiten, geteilte Schichten, Nachtarbeit und Sonntagsdienste gehören zum Berufsalltag von Köchen, Servicekräften und Barkeepern. Hier erfährst du, welche Sonderregeln gelten und was du als Gastrobetreiber beachten musst.

Die Grundregeln im Schnelldurchlauf

Bevor wir zu den Ausnahmen kommen, die Basisregeln des ArbZG im Überblick:

RegelungGesetzliche VorgabeParagraph
Maximale tägliche Arbeitszeit8 Stunden (Verlängerung auf 10 Std. mit Ausgleich)§3 ArbZG
Pausenpflicht ab 6 Stunden30 Minuten (ab 9 Std.: 45 Min.)§4 ArbZG
Ruhezeit zwischen Schichten11 Stunden ununterbrochen§5 ArbZG
Maximale Wochenarbeitszeit48 Stunden (Mo–Sa)§3 ArbZG

Diese Regeln gelten für alle Arbeitnehmer — Vollzeit, Teilzeit und Minijobber gleichermaßen. Leitende Angestellte sind ausgenommen.

Sonderregel 1: Verkürzte Ruhezeit in der Gastronomie

Die allgemeine Ruhezeit von 11 Stunden zwischen zwei Schichten lässt sich in der Gastronomie auf 10 Stunden verkürzen (§5 Abs. 2 ArbZG). Das ist für Restaurants, Hotels und Gaststätten ein relevantes Zugeständnis, denn ohne diese Ausnahme wäre die typische Abend-/Mittagsschicht-Kombination kaum umsetzbar.

Praxisbeispiel: Ein Koch beendet die Abendschicht um 23:30 Uhr. Mit der verkürzten Ruhezeit darf er am nächsten Tag ab 9:30 Uhr wieder arbeiten — statt erst um 10:30 Uhr. Für das Mittagsgeschäft kann das den entscheidenden Unterschied machen.

Ausgleichspflicht beachten: Wird die Ruhezeit auf 10 Stunden verkürzt, muss innerhalb eines Kalendermonats oder 4 Wochen eine verlängerte Ruhezeit von mindestens 12 Stunden gewährt werden. Diese Ausgleichsruhezeit muss dokumentiert werden.

Sonderregel 2: Geteilte Schichten

Geteilte Schichten (auch „Teildienst" genannt) sind in der Gastronomie weit verbreitet: morgens von 10:00 bis 14:00 Uhr für das Mittagsgeschäft, dann eine mehrstündige Pause, und abends von 18:00 bis 22:30 Uhr für den Abendbetrieb.

Das ArbZG verbietet geteilte Schichten nicht ausdrücklich — aber die gesamte Arbeitszeit inklusive aller Unterbrechungen darf die Höchstarbeitszeit von 10 Stunden nicht überschreiten. Die Unterbrechung zwischen den Schichtteilen zählt dabei nicht als Arbeitszeit, muss aber als Pausenzeit dokumentiert werden.

Gut zu wissen: In manchen Tarifverträgen für das Hotel- und Gaststättengewerbe gibt es Zuschläge oder Beschränkungen für geteilte Schichten. Prüfe deinen geltenden Tarifvertrag — etwa den Manteltarifvertrag DEHOGA deines Bundeslandes.

Sonderregel 3: Nachtarbeit und Zuschläge

In der Gastronomie arbeiten viele Mitarbeiter regelmäßig nach 23:00 Uhr — sei es im Barbetrieb, bei Veranstaltungen oder in der Hotelrezeption. Wer regelmäßig in der Nachtzeit (23:00–6:00 Uhr) arbeitet, gilt nach §6 ArbZG als Nachtarbeitnehmer.

Für Nachtarbeitnehmer gelten besondere Rechte:

  • Arbeitsmedizinische Untersuchung: Alle drei Jahre Anspruch auf eine kostenlose ärztliche Untersuchung (ab 50 Jahren: alle zwei Jahre).
  • Ausgleichsanspruch: Entweder eine angemessene Anzahl bezahlter freier Tage oder ein Zuschlag auf das Bruttogehalt. Die Rechtsprechung geht von mindestens 25 % Zuschlag aus.
  • Umsetzungsanspruch: Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Nachtarbeit mehr leisten kann, hat Anspruch auf einen Tagesarbeitsplatz.
Steuerfreie SFN-Zuschläge: Zuschläge für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit können unter bestimmten Voraussetzungen steuer- und sozialversicherungsfrei gezahlt werden (§3b EStG). Für Nachtarbeit zwischen 20:00 und 6:00 Uhr sind bis zu 25 % steuerfrei, für Nachtarbeit ab 0:00 Uhr bis zu 40 %. Das senkt die Personalkosten erheblich — aber nur, wenn die Arbeitszeiten sauber dokumentiert sind. GetMeGastro berechnet die SFN-Zuschläge automatisch.

Sonderregel 4: Sonn- und Feiertagsarbeit

Grundsätzlich verbietet das ArbZG die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen (§9 ArbZG). Für die Gastronomie gilt jedoch eine der wichtigsten Ausnahmen in §10 Abs. 1 Nr. 4: Gaststätten und Hotels dürfen an Sonn- und Feiertagen öffnen und Mitarbeiter beschäftigen.

Trotz der Ausnahme gelten Pflichten:

  • Ersatzruhetag: Für jeden gearbeiteten Sonntag muss innerhalb von zwei Wochen ein Ersatzruhetag gewährt werden. Für Feiertage gilt eine Frist von acht Wochen.
  • Mindestens 15 freie Sonntage: Innerhalb eines Jahres müssen mindestens 15 Sonntage beschäftigungsfrei bleiben.
  • Zuschläge: Sonntagszuschläge von bis zu 50 % und Feiertagszuschläge von bis zu 150 % können steuer- und sozialversicherungsfrei gezahlt werden (§3b EStG).

Sonderregel 5: §14 ArbZG — Außergewöhnliche Fälle

Paragraph 14 ist die Notfallklausel des ArbZG und wird in der Gastronomie gelegentlich relevant. Er erlaubt Abweichungen von den normalen Arbeitszeitregeln, wenn „außergewöhnliche Fälle" vorliegen — etwa ein unvorhersehbar hoher Gästeandrang bei einer Großveranstaltung oder ein plötzlicher Personalausfall bei einer ausgebuchten Hochzeitsfeier.

Die Hürden sind allerdings hoch: Der Notfall muss unvorhersehbar gewesen sein, die Arbeit darf nicht aufschiebbar sein, und es dürfen keine anderen organisatorischen Maßnahmen möglich gewesen sein. Regelmäßige Unterbesetzung an Wochenenden fällt nicht unter §14.

Bußgelder bei Verstößen

Verstöße gegen das ArbZG können mit Bußgeldern bis zu 30.000 Euro geahndet werden. In der Gastronomie sind Kontrollen durch die Gewerbeaufsichtsämter keine Seltenheit. Typische Feststellungen bei Prüfungen:

  • Ruhezeiten zwischen Schichten nicht eingehalten
  • Pausenzeiten nicht dokumentiert oder zu kurz
  • Höchstarbeitszeit überschritten ohne Ausgleich
  • Fehlende Ersatzruhetage für Sonntagsarbeit
  • Keine arbeitsmedizinische Untersuchung für Nachtarbeitnehmer
Beweislast beim Arbeitgeber: Ohne lückenlose Zeiterfassung kannst du bei einer Kontrolle nicht nachweisen, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten wurden. Die Beweislast liegt bei dir als Betriebsinhaber.

Sicher erfassen mit digitaler Lösung

Eine digitale Zeiterfassung, die die Besonderheiten der Gastronomie kennt, ist der beste Schutz vor Bußgeldern. Sie prüft automatisch Ruhezeiten, warnt bei Überschreitung der Höchstarbeitszeit und dokumentiert Pausen lückenlos.

GetMeGastro geht noch weiter: Die erfassten Arbeitszeiten werden direkt für die Lohnabrechnung aufbereitet, SFN-Zuschläge automatisch berechnet und der Steuerberater hat Zugriff auf alle relevanten Daten. So wird aus der lästigen Pflicht ein echter Vorteil für dein Personalmanagement.

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